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Der Drachenprinz
Geschichten aus der Mitte Deutschlands, mit Zeichnungen von Dieter Stockmann

Florian Russi

2004, 222 Seiten, gebunden, mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-937601-08-3
Preis: 17,80 €

Halve Hahn

Julia Meyer

Wo ist denn das Halbe Hähnchen?
 
Wer in Köln ein „Halve Hahn" bestellt, bekommt nicht etwa ein „Halbes Hähnchen" serviert, wie man vielleicht vermuten würde. Wer ein „Halve Hahn" bestellt, bekommt ein knuspriges halbes Roggenbrötchen, aufgetischt mit Gouda, sauren Gurken und scharfem Senf. Manchmal kann man außerdem Zwiebeln und Paprika auf seinem Teller finden. Weit verbreitet in kölner, aber auch in anderen rheinländischen Kneipen, Restaurants und Brauhäusern, weiß jeder Domstädter, was er sich unter „Halve Hahn" vorzustellen hat. Doch woher der rheinische Ausdruck für das Roggenbrötchen kommt, wissen die wenigsten. Das liegt nicht zuletzt daran, dass es viele Theorien und Legenden über die Herkunft der außergewöhnlichen Bezeichnung gibt.

Eine Legende davon ist folgende: Ein Kölner Gastwirt servierte einem Gast ein Roggenbrötchen mit Käse. Dieser  hatte jedoch nur ein halbes Roggenbrötchen bestellt, und beschwerte sich beim Wirt: „Ääver isch will doch bloß ne halve han" („aber ich möchte doch bloß ein halbes haben"). Daraufhin nahm der Wirt das Brötchen, teilte es, und nannte das Gericht: Halve Hahn.

Eine weitere Erzählung besagt, dass auf Grund einer bevorstehenden Hochzeit ein Mann in einem Wirtshaus Halbe Hähnchen für seine Hochzeitsgäste bestellte. Am Tag der Hochzeit jedoch fiel ihm auf, dass er leider nicht genügend Geld habe, um die Hähnchen zu bezahlen. Die Gäste waren jedoch schon da, woraufhin ihm der Wirt vorrechnete, dass sein Geld gerade einmal für belegte Käsebrötchen reiche. So trug es sich zu, dass zu der Hochzeit keine Hähnchen, sondern Käsebrötchen serviert wurden. Dieses Ereignis hatte sich natürlich schnell in der Stadt rumgesprochen. Das „Gericht" wurde fortan als „Halve Hahn" bezeichnet.

Als älteste, schriftliche Quelle wird ein Zeitungsartikel des Kölner Tageblatts vom 13. Juli 1913 gesehen. Bei dem Dokument handelt es sich um einen Leserbrief von einem damals 72. jährigen Mann. Er schildert in dem Brief, dass er der Erfinder des „Halve Hahn" sei. Die Geschichte soll sich an seinem Geburtstag im Jahr 1877 oder 1878 zugetragen haben. Bei seiner Geburtstagsfeier bestellte er 14 Halbe Hähnchen für seine Gäste. Mit dem Wirt hatte er jedoch vorher ausgemacht, dass er statt der Hähnchen Roggenbrötchen mit Käse servieren sollte. Diese Geschichte wurde viel belächelt und verbreitete sich schnell. Woraufhin die Leute anfingen, statt einem Roggenbrötchen, ein „Halve Hahn" zu bestellten.

Dies waren nur drei der zahlreichen Legenden um das Roggenbrötchen. Jede für sich hat ihren eigenen Charme und jeder Leser sollte selbst entscheiden, welche für ihn die glaubwürdigste oder vielleicht auch lustigste Geschichte über das rheinländische Gericht ist.