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Zu Gast in Weimar

George Eliot; deutsche Übersetzung: Nadine Erler

Zu den vielen Künstlern, die es nach Weimar zog, gehörte auch die englische Schriftstellerin George Eliot. Im Sommer 1854 verbrachte sie drei Monate im kleinen, doch weltberühmten Städtchen an der Ilm. George Eliots schriftlich festgehaltenen Eindrücke sind äußerst amüsant. Dieser Blick einer Fremden lässt Weimar in anderem Licht erschienen.

Broschüre, 40 Seiten, 2019


Tünnes & Schäl

Tünnes & Schäl

Julia Meyer

Zwei legendäre kölsche Originale

„Schäl: Hör mal, Tünnes, ich geht mir dir nit gern über de Straß, denn jedesmal, wenn mir zwei zesamme sind, dann frage des Leut immer: "Da geht dä große Idiot wieder", un dat geht mir mächtig an de Niere, weil ich nicht weuß, ob du, oder ich gemeint bin.

Tünnes: Ich bin et jedenfalls nit, denn du wirs doch nit mit ´nem Idiot über die Straß gehn."

Tünnes und Schäl, zwei allseits bekannte Kultfiguren, verkörpern humorvoll die kölsche Eigenart und gehören zur Stadt wie Kölsch und Karneval. Zahlreiche Witze über die beiden sind weit über die Kölner Stadtgrenzen hinaus bekannt. Bei Büttenreden kommen sie auch heute noch mit Vorliebe zum Einsatz. Tünnes, rheinisch für Antonius, ist ein rustikaler Typ während Schäl als listiger, schlitzohriger und sogar hinterhältiger Charakter dargestellt wird. Doch egal ob pfiffig oder blöd, beide Karikaturen sind auf jedenfall respektlos und im höchsten Maße schlagfertig.

Zurückzuführen sind die Ur-Kölner auf Johann Christoph Winter, der die Figur des Tünnes 1803 in seinem Ensemble am Hänneschen Puppentheater etablierte. Schäl kam indes erst ein paar Jahre später, in den 1850ern hinzu. Eingeführt wurde er von Franz Millowitsch, Großvater von Willi Millowitsch.

Tünnes ist ein einfacher Bauer mit Knollnase, der selten etwas Schlimmes anstellt. Er zeichnet sich durch sein friedliches und freundliches Gemüt aus. Im Sprachgebrauch wird die Bezeichnung Tünnes aufgrund seiner Bauernschläue auch für jemanden verwendet, den man für nicht besonders klug hält. Tünnes trägt eine helle Hose und Holzschuhe kombiniert mit einem roten Halstuch auf blauen Kittel, ähnlich eines Fuhrmanns. Rot sind auch seine Knollnase und seine Haare.

Schäl hingegen gibt sich als feiner Lebemann mit schickem Frack und Hut. Hinter der Fassade verbirgt sich jedoch ein kleiner Gauner. Sein Name ist auf das Mittelalter zurückzuführen und wohl bewusst doppeldeutig gewählt. So bedeutet er zum einen so viel wie „schielend", was sich auf das Schielen der Figur bezieht, meint aber in der kölschen Mundart auch link, falsch oder schlecht, was wiederum seinen Charakter wiederspiegelt. Jeder Kölner denkt bei dem Wort Schäl jedoch noch an eine dritte Bedeutung, nämlich an das rechte Rheinufer, dass als „schäl Sick", also schielende Seite bezeichnet wird. Gerne wird heute beteuert, dass der Name darauf zurückzuführen ist, dass die Deutzer immer neidisch vom rechten Ufer auf das schöne linksrheinische Panorama schielten.

Die blankpolierte runde Knollnase des Tünnes ist die Folge des Brauchs, dass ein kräftiger Griff daran Glück bringen soll. Doch man begegnet den beiden nicht nur in ein Denkmal gepresst sondern auch bei einem Spaziergang durch die Altstadt an Hausfassaden und Gebäuden.

Die beiden populären Figürchen sind die einzigen „Kölsche Originale", die es in der Realität nie gegeben hat. Als kölsche Origionale bezeichnet man historische Personen, die durch ihre besonderen Fähigkeiten, Angewohnheiten, Fehler oder Schwächen nachhaltig Bekanntheit erlangten.

***

Vorschaubild: Tünnes und Schäl Nagelplastik, Pappelholz, Öffentliche Arbeit 1952. Archiv Wolfgang Wallner.

Bilder: Bianca Geurden

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