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Strandgut
Ein Inseltagebuch

Berndt Seite

Die Ostsee ist ein Sehnsuchtsort, an dem man seine Gedanken mit dem Meer schweifen lassen kann. Beim Anblick der Wellenbewegungen kommen Erinnerinerungen an das Auf und Ab des Lebens auf. In eindrucks- und stimmungsvollen Bildern beschreibt Berndt Seite in seinem Tagebuch philosophische Reflexionen in Rückblick auf sein privates und poltisches Leben. Das raue und derbe Klima der Ostsee, die verschiedenen Jahreszeiten am Meer haben dabei ihren ganz eigenen Charme und helfen ihm, alte Dinge abzustreifen und wieder zu sich selbst zu finden.

Der Geusenfriedhof

Der Geusenfriedhof

Julia Meyer

Der Geusenfriedhof erzählt noch heute Geschichten

1584 angelegt, ist der Geusenfriedhof die älteste evangelische Begräbnisstätte des Rheinlands. Heute befindet er sich in Mitten des dicht besiedelten Wohngebiets Köln-Lindenthal, damals jedoch lag er außerhalb der Stadttore und bot damit, nach geltendem Recht, die einzige Möglichkeit für die reformierte Gemeinde ein Begräbnis zu erhalten. Seit 1981 steht der Friedhof unter Denkmalschutz.

Der Begriff Geusen (gueux ) ist auf den französisch-sprachigen Raum zurückzuführen und bedeutet so viel wie Bettler. Bezeichnet wurden mit diesem Ausdruck die aus den Niederlanden kommenden protestantischen Freiheitskämpfer, die als Glaubensflüchtlinge während des Achtzigjährigen Krieges (1568 bis 1648) nach Köln siedelten. Doch auch hier waren zur damaligen Zeit die Anhänger der Reformation wenig willkommen. In der freien Reichsstatt Köln, die Anfang des 16. Jahrhunderts definitiv im katholischen Lager verblieben war, wurden die „Artfremdem“ verhört, verfolgt oder verhaftet. Ein protestantischer Gottesdienst oder gar  eine Bestattung auf einem katholischen Friedhof innerhalb der schützenden Stadtmauern?– nicht nur unvorstellbar, sondern streng verboten! Allenfalls eine Verbrennung auf dem Elendsfriedhof, neben Selbstmördern, Ehrlosen und Hingerichteten kam in Frage.

Umso skurriler die Entstehung des Geusenfriedhofs. Denn 67 Jahre nach der Publizierung der 95 Luther-Thesen, wurde das Grundstück vor dem Weyertor ausgerechnet von einer katholischen Adligen, Ursula von Gohr zu Kaldenbroek, gespendet. Sie schaffte damit die erste und einzige Möglichkeit für die reformierte und lutherische Gemeinde, ihre Angehörigen auf einem christlichen Friedhof beizusetzen.

Offiziell genutzt wurde die Grabstätte bis 1829. Anschließend war es den protestantischen Toten gestattet auch auf dem Kölner Melatenfriedhof.beigesetzt zu werden, was dazu führte, dass 1875 die letzte Beerdigung auf dem Geusenfriedhof stattfinden sollte.

Heute ist das kleine Areal mit den halbverfallenen, überwucherten Gräbern ein idealer Ort für neugierige Spurensucher, die die Vergangenheit der Stadt fernab von Museen entdecken wollen. Die zahlreiche Grabplatten erhalten dabei nicht nur Lebensdaten der Verstorbenen sondern sind auch mit kunsthistorisch wertvolle Darstellungen verziert. Familienwappen, alte Berufsbezeichnungen, Bildmetaphern des Todes sowie Bibelinschriften prägen die Grabplatten, Stelen, Säulen und Obelsiken. Sie erzählen ausführliche Geschichten. 

 

   

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Anzeigebild: Koeln-Geusenfriedhof, Fotograf: Willy Horsch

Bild: Panoramaaufnahme des alten Kölner Geusenfriedhofs, Fotograf: A.Savin

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