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Winckelmann im Kreise der Gelehrten

Klaus-Werner Haupt

Das Gemälde "Winckelmann im Kreise der Gelehrten in der Nöthnitzer Bibliothek" von Theobald Reinhold Anton Freiherr von Oer steht im Mittelpunkt dieser Abhandlung über Winckelmann. Es dient dem Autor als Vorlage für eine kurze szenische Darstellung, in der die Geisteshaltungen und die Kontroversen der zwölf Gelehrten sichtbar werden.
Insgesamt besteht das Heft aus drei Teilen. Einem Kurzabiss zum Maler von Ohr, dessen Bild im Mittelpunkt steht, dann der szenischen Abhandlung, die das Bild zum Leben erweckt. Anschließend wird in einem wissenschaftlichen Abriss Winckelmann als Wegbereiter der Weimarer Klassik abgehandelt.

Tünnes & Schäl

Julia Meyer

Zwei legendäre kölsche Originale

„Schäl: Hör mal, Tünnes, ich geht mir dir nit gern über de Straß, denn jedesmal, wenn mir zwei zesamme sind, dann frage des Leut immer: "Da geht dä große Idiot wieder", un dat geht mir mächtig an de Niere, weil ich nicht weuß, ob du, oder ich gemeint bin.

Tünnes: Ich bin et jedenfalls nit, denn du wirs doch nit mit ´nem Idiot über die Straß gehn."

Tünnes und Schäl, zwei allseits bekannte Kultfiguren, verkörpern humorvoll die kölsche Eigenart und gehören zur Stadt wie Kölsch und Karneval. Zahlreiche Witze über die beiden sind weit über die Kölner Stadtgrenzen hinaus bekannt. Bei Büttenreden kommen sie auch heute noch mit Vorliebe zum Einsatz. Tünnes, rheinisch für Antonius, ist ein rustikaler Typ während Schäl als listiger, schlitzohriger und sogar hinterhältiger Charakter dargestellt wird. Doch egal ob pfiffig oder blöd, beide Karikaturen sind auf jedenfall respektlos und im höchsten Maße schlagfertig.

Zurückzuführen sind die Ur-Kölner auf Johann Christoph Winter, der die Figur des Tünnes 1803 in seinem Ensemble am Hänneschen Puppentheater etablierte. Schäl kam indes erst ein paar Jahre später, in den 1850ern hinzu. Eingeführt wurde er von Franz Millowitsch, Großvater von Willi Millowitsch.

Tünnes ist ein einfacher Bauer mit Knollnase, der selten etwas Schlimmes anstellt. Er zeichnet sich durch sein friedliches und freundliches Gemüt aus. Im Sprachgebrauch wird die Bezeichnung Tünnes aufgrund seiner Bauernschläue auch für jemanden verwendet, den man für nicht besonders klug hält. Tünnes trägt eine helle Hose und Holzschuhe kombiniert mit einem roten Halstuch auf blauen Kittel, ähnlich eines Fuhrmanns. Rot sind auch seine Knollnase und seine Haare.

Schäl hingegen gibt sich als feiner Lebemann mit schickem Frack und Hut. Hinter der Fassade verbirgt sich jedoch ein kleiner Gauner. Sein Name ist auf das Mittelalter zurückzuführen und wohl bewusst doppeldeutig gewählt. So bedeutet er zum einen so viel wie „schielend", was sich auf das Schielen der Figur bezieht, meint aber in der kölschen Mundart auch link, falsch oder schlecht, was wiederum seinen Charakter wiederspiegelt. Jeder Kölner denkt bei dem Wort Schäl jedoch noch an eine dritte Bedeutung, nämlich an das rechte Rheinufer, dass als „schäl Sick", also schielende Seite bezeichnet wird. Gerne wird heute beteuert, dass der Name darauf zurückzuführen ist, dass die Deutzer immer neidisch vom rechten Ufer auf das schöne linksrheinische Panorama schielten.

1950 wurde das Duo vom österreichischen Bildhauer Prof. Wolfgang Wallner als lebensgroße Bronzefiguren verewigt, die sich heute vor der romanischen Kirche St.Martin in Gürzenich befinden. Die blankpolierte runde Knollnase des Tünnes ist die Folge des Brauchs, dass ein kräftiger Griff daran Glück bringen soll. Doch man begegnet den beiden nicht nur in ein Denkmal gepresst sondern auch bei einem Spaziergang durch die Altstadt an Hausfassaden und Gebäuden.

Die beiden populären Figürchen sind die einzigen „Kölsche Originale", die es in der Realität nie gegeben hat. Als kölsche Origionale bezeichnet man historische Personen, die durch ihre besonderen Fähigkeiten, Angewohnheiten, Fehler oder Schwächen nachhaltig Bekanntheit erlangten.

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Bilder: Bianca Geurden