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Leben & Tod
Forum für neue kulturelle Dimensionen, seit 2013 viermal jährlich

ISSN 2193-7249
Preis Einzelheft 3,50 € / Abo 14,00 € (zzgl. Versand)

Kronleuchtersaal

Julia Meyer

Ein Kronleuchter für die Kölner Unterwelt


Ein echtes Highlight der Domstadt befindet sich einige Meter unter der Straßenführung. Die Rede ist vom wohl berühmtesten Kronleuchter Kölns, der seit 1890 die Kanalisation verziert.

Die 1890 neu erbaute Kölner Kanalisation galt als eine der vorbildlichsten und ambitioniertesten städtebaulichen Projekte jener Zeit. Denn der ausführende Ingenieur und späterer Stadtbaurat Carl Steuernagel verbündete technisches Denken mit historischem Interesse und integrierte auf diese Weise die Ideen des römischen Abwassersystems in ein modernes Kanalnetz.

Da wundert es nicht, dass die stolzen Stadtherren ihre neuen Abwasserkanäle dem Kaiser Wilhelm II präsentieren wollten. Eigens dafür lies man zur Einweihung in dem Raum zwei mit Kerzen bestückte Kronleuchter anbringen. Der Kaiser kam zwar schließlich doch nicht, dafür ist heute die Nachfrage nach einer Besichtigung des Kronleuchtersaals umso größer.

Der Abgang zum Saal befindet sich Ecke Theodor-Heuss-Ring/ Clever Straße in der Neustadt-Nord. Unter der grün gestrichenen Metallabdeckung verbirgt sich eine Treppe, die hinab führt in die Kanalisation. Die verrotteten Originale wurden Ende der 1980er durch einen weiß gestrichenen elektrischen Nachbau ersetzt, der dem 4,60 Meter hohen Raum einen schmucken Gesamteindruck verleiht. Neben regelmäßigen Führungen, finden aufgrund der außergewöhnliche Akustik auch klassische Konzerte im Saal statt. Wer Karten ergattern will, muss schnell sein, denn die Nachfrage nach einem unterirdischen Musikerlebnis ist, trotz typischen Kanalisationsgeruch, groß.