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Buckingham Palace

"Spannende Unterhaltung bis zum Ende ist garantiert." (Allerzeitung, Wolfburg) 

Christoph Werner
Roman, 2008, 170 Seiten
ISBN: 978-3-937601-61-8
Preis: 14,95 €

St. Petersglocke im Kölner Dom

St. Petersglocke im Kölner Dom

Florian König

Am 5. Mai 1923 wurde die St. Petersglocke, die von den Domstädtern liebevoll „Dicker Pitter" genannt wird, im thüringischen Apolda von Heinrich Ulrich gegossen. Mit 24.000 Kilogramm Gewicht und einem Durchmesser von 322 Zentimetern gilt sie als die größte, an geradem Joch aufgehängte, freischwingende, läutbare Glocke der Welt. Der dicke Pitter erklingt nicht nur an hohen kirchlichen Feiertagen, sondern auch zu besonderen Anlässen, wie Papstbesuch oder dem Tag der Wiedervereinigung. Der Schmuck der Glocke wurde vom Bildhauer Heinrich Renard entworfen.

1918 wurde die Kölner Domglocke, die unter dem Namen Kaiserglocke oder Gloriosa bekannt war, für Kriegszwecke eingeschmolzen. Der Guss einer neuen Glocke wurde schon bald vom damalige Oberbürgermeister Konrad Adenauer und vom Erzbischof Karl Joseph Kardinal Schute  gefordert.

Auf eine europaweite Ausschreibung der Glocke, die als Schlagton ein reines 'C', als ersten Oberton aber ein 'e' haben sollte, wurde jedoch zunächst mit Zurückhaltung reagiert. Zu groß war das Risiko für die meisten europäischen Glockengießereien, den Aufrag der Domglocke anzunehmen, da sie das Scheitern der missglückten Kaiserglocke noch im Kopf hatten, dessen Ton nicht zum Geläute passte.  Der Guss der St. Petersglocke galt also als ein gewagtes, gar unmögliches Unterfangen, dem sich lediglich die kleine Firma Ulrich aus Apolda stellen wollte, oder musste. Denn Heinrich Ulrich nahm den Auftrag auch nur an, so sagt man, weil er keinen anderen Ausweg wusste. Als Vorlage nahm er die Gloriosa in Erfurt, die größte mittelalterliche freischwingende Glocke der Welt, die auch die geforderte große Terz hervorbrachte.  Seine Aufgabe gelang ihm mit Bravur. Am 05. Mai 1923 konnte Ulrich den Guss der Glocke vornehmen. Erst 2 Wochen später, nachdem das Metall vollständig erkaltet und die Form abgeschlagen wird, ist sicher: Der Guss ein Erfolg,  der Ton, ein tiefes C. Da auf Grund der Inflation zur Finanzierung der Glocke immer noch 5000 Dollar fehlten, verweigerte Ulrich die Herausgabe der fertigen Glocke. Bis Dezember 1923 konnte die Stadt, mit Hilfe von Spendengeldern wohlhabender Kölner, den nötigen Betrag zusammenbringen. Die Bezahlung war gesichert. Allerdings verzögerte sich der Transport  erneut. Zu groß die Gefahr, dass infolge der Besatzung des Ruhrgebiets durch französische Truppen,  die Glocke als Kriegsentschädigung beschlagnahmt werden würde.  Auch der Transport selbst bereitete ungeahnte Schwierigkeiten. Erst am 14. November  1924 konnte St. Peter nach langer Vorbereitung per Eisenbahn überführt werden. Am 30. November wurde sie vom Erzbischof Kardinal Joseph Schulte vor ca. 20.000 Menschen feierlich eingeweiht. Erstmals kam es zum Einsatz von Lautsprechern, um seine Ansprache, in der er den „dicken Pitter" als Gemeinschaftssymbol kundgab, für die Menschenmenge verständlich zu machen. Der "dicke Pitter" solle "Sinnbild werden von des Deutschen Volkes und des Deutschen Reiches Einheit und zugleich Symbol des langersehnten Friedens und der Völkerversöhnung".

Da die Glocke mit 3,20 Meter Höhe und 3,22 Meter Breite nicht durch das Domportal passte, musste ein Mittelpfeiler entfernt werden. Die anschließende Beförderung in den 53 Meter hohen Glockenstuhl im Südturm des Kölner Doms dauerte mehrere Wochen. Erstmals ertönen sollte sie am Heiligenabend. Nach drei Schlägen riss das Seil. Die St. Petersglocke blieb stumm und ein erstes feierliches Geläute mit allen Domglocken war erst 10 Monate später, am 10. Oktober 1925 möglich.

Heinrich Ulrich selbst kam jedoch nie in das Vergnügen, die Glocke im Kölner Dom läuten zu hören. Die Aufregung um das Großprojekt ruinierte dem schwergewichtigen Mann seine Gesundheit, was dazu führte, dass er noch vor der Einweihung der Glocke verstarb.

 

*** 

Bild: Glocken im Kölner Dom, Frank Vincentz