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Kennst du Franz Kafka?
Karlheinz Fingerhut

Franz Kafka ist noch achtzig Jahre nach seinem Tod in aller Munde. Er zählt zu den großen Repräsentanten der deutschsprachigen Literatur des zwanzigsten Jahrhunderts. Seine Werke schockieren, provozieren und faszinieren.

ISBN 978-3-937601-44-1
Preis 12,80 €

Die Weiberfastnacht

Die Weiberfastnacht

Claudia Teichner

Von Nonnen, Möhnen, Marktfrauen und warum Männer an diesem Tag keine Krawatten tragen

Schon im Mittelalter wurde in den Kölner Klöstern am Donnerstag vor Fastnacht die sogenannte Pfaffenfastnacht gefeiert. Besonders in den Nonnenklöstern muss es hoch hergegangen sein. Aus dem Benediktinerkloster St. Mauritius wird vom Karneval 1729 berichtet, dass man die Fastnacht in voller Lust gefeiert hätte, und alle Nonnen seien verkleidet gewesen. Am Tag wurde getanzt und gesprungen und des Nachts, als die Äbtissin schlafen gegangen war, wurde bei Kaffee und Tee Karten und Dame gespielt.

Die Pfaffenfastnacht verschwand mit dem Einzug der französischen Revolutionsarmee 1794 in Köln, als alle Klöster aufgelöst wurden.
1823 Mitglieder des Festkomitees
1823 Mitglieder des Festkomitees

Auch auf den Straßen Kölns wurde von den Frauen Weiberfastnacht gefeiert, besonders von den Marktfrauen auf dem Alter Markt. Die Frauen rissen sich gegenseitig die Mützen und Hüte vom Kopf. Das Ganze nannte man "Mötzebestot" (kölsch für "Mützenbestapelung"). Der Hintersinn dieses Brauchs liegt in der Bedeutung des Sprichworts "unter die Haube bringen". Eine Tochter "unter die Haube bringen" heißt, sie zu verheiraten oder ins Kloster zu geben. Dieser Brauch hielt sich etwa bis gegen 1890.

Nach der Aufhebung der Märkte auf dem Kölner Alter Markt in den 1930er Jahren versuchte man dem Fest eine mehr offizielle Note zu geben, indem man die Flagge des Prinzen auf dem Rathausturm hisste, als Zeichen für die Eröffnung des Straßenkarnevals.

Nach dem Krieg wollte man unter den völlig gewandelten Voraussetzungen die Feier neu gestalten. In der Großmarkthalle an der Bonner Straße eröffnete 1950 das Dreigestirn erstmals die Weiberfastnacht. Auf Grund der Sicherheitsbedenken gegenüber der völlig überfüllten Halle musste diese Veranstaltung schon 1953 wieder aufgegeben werden. Seitdem veranstalteten die Altstädter (ein Traditionskorps des Kölner Karnevals) auf dem Alter Markt eine öffentliche Straßensitzung, die auch vom Dreigestirn besucht wird.

Nachtrag zum "Krawattenabschneiden": Der Brauch, dass die Frauen den Männern an Weiberfastnacht die Krawatten abschneiden (um zu zeigen, dass sie an diesem Tag das Sagen haben), soll erst kurz nach 1945 Verbreitung gefunden haben. Allerdings ist schon seit einiger Zeit ein starkes Abflauen zu bemerken, was vielleicht daran liegt, dass kaum noch Männer an diesem Tag eine Krawatte tragen.

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Bilder: gemeinfrei

Text mit freundlicher Genehmigung von Claudia Teichner (Museumsleitung), Kölner Karnevalsmuseum

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