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Kennst du Heinrich Heine?
Wilfried Bütow

So unkonventionell und lässig wie relevant und kompakte. Heine hätte seine Freude gehabt an diesem Buch. Eine unterhaltsame Einstiegslektüre über den Menschen Heine, seine Ansichten, seinen Humor.

ISBN 978-3-937601-32-8
Preis 12,80 € 
Die Kölner Dom Sage

Die Kölner Dom Sage

Ludwig Bechstein

Ludwig Bechstein wurde am 24. 11.1801 in Weimar geboren. Im Alter von Neun Jahren wurde er von einem Verwandten als Pflegekind zu sich geholt. Nachdem er 1819 seine schulische Ausbildung abbrach, begann er eine Apothekerlehre in Arnstadt. Seine Hingabe galt jedoch schon damals der Literatur. 1823 veröffentlicht er sein erstes Buch „Thüringische Volksmärchen", 1829 erscheinen die „Märchenbilder und Erzählungen" in Leipzig. Außerdem veröffentlichte er Sonette und Gedichte. Der junge Bechstein zog die Aufmerksamkeit des Herzogs Bernhard von Sachsen- Meiningen auf sich, der ihm kurzerhand ein Stipendium für ein Studium der Literatur, Philosophie, Geschichte und Kunst in Leipzig und München (bis 1831) gewährte. Nach seinem Studium kam Ludwig Bechstein nach Meiningen zurück, erhielt er eine Anstellung als Bibliothekar, später als Archivar. 1845 veröffentlicht Ludwig Bechstein das „Deutsche Märchenbuch", mit der er eine Märchensage für das ganze Land schaffen wollte. 1853 erscheint das „Deutsche Sagenbuch" mit über 1000 Sagen, geordnet nach Regionen. Bis 1853 gab es elf Auflagen des Deutschen Märchenbuches, 1856 erschien als Fortsetzung, das „Neue deutsche Märchenbuch" mit 80 Texten, darunter zahlreiche Sagen. Am 14. Mai 1860 verstarb Ludwig Bechstein in Meiningen an der Wassersucht.

         Julia Meyer

Ludwig Bechstein: Die Kölner Dom-Sage

Da man begann, den Kölner Dom zu bauen, verdroß den Teufel mächtig, daß in der heiligen Stadt Köln, welche schon so viele Kirchen und Kapellen hatte, darinnen die Frommen Gott dienten, dem Herrn auch noch so ein übergroßes Haus erbaut werden solle; der Teufel nahm daher Menschengestaltung an, trat mit List zu dem Baumeister und sprach zu ihm: Du übernimmst ein unausführbar schweres Werk! Was wettest du, daß ich eher einen Kanal lege von Trier bis nach Köln, ehe du deinen Bau vollendest? Einen Kanal, mittelst dessen dieser guten Stadt reines Trinkwasser nicht minder als auch edler Moselwein zufließen kann, und meine ich fast, solcher Kanal wäre der Stadt nützer als noch eine Kirche zu den vielen, die Köln schon hat. - Was soll ich wetten? fragte der Baumeister. - Wir wetten, daß der von uns sein begonnenes Werk alsbald einstelle, es sei vollendet, so weit es wolle, wenn das des andern als vollendet erscheint. Ich das meine, wenn du die höchsten Kronen auf die Spitzen deiner Domtürme setzest, du das deine, wenn von Trier das Wasser in meinem Bau geflossen kommt und in deinen ausmündet. - Der Dombaumeister ging diesen Vertrag ein, und beide gingen an ihr Werk. Hoch und höher wuchs der Dombau, nah und näher rückten von Trier aus die Säulen einer gewaltigen Wasserleitung, ein stolzes Werk, wie nur die Kunst der alten Römer aufzuführen vermocht hätte. Da - als die Domtürme die Höhe des Krans erreicht hatten, da stand der Baumeister oben auf dem Gerüste und blickte hinab und sahe zu seinem Schrecken das Werk vollendet, der Kanal war bis an den Dom herangerückt, noch war er wasserleer, da schien in der Ferne ein weißer Punkt sich zu bewegen, näher und immer näher - und da kam das Wasser brausend geschossen, und auf dem Wasser schwamm eine weiße Ente. Als der Baumeister so sich überwunden sah, stürzte er sich von der Höhe des Turmes und des Baugerüstes in die Tiefe herab, und sein treuer Hund, der ihm auf das Gerüste gefolgt war, sprang ihm nach. Nimmer konnte der Dom vollendet werden, aber auch jene Wasserleitung brach die mächtige Hand der Zeit. Das Volk nennt ihre Trümmer die Teufelskralle. Zum Überfluß und als Siegeszeichen warf der Teufel einen Stein durch das Dach im Chor über der Heiligen-Dreikönigs-Kapelle, davon ein drei bis vier Fuß weites Loch blieb. Späterer Aufschrift zufolge soll es der Wind gewesen sein, der den Stein herabwarf; der Stein aber lag oder liegt noch auf dem Pflaster bei der Kapelle, die Leute nennen ihn den Teufelsstein, man sieht auf ihm eine Marke wie eine Hahnenkralle, die von der Teufelskralle eingebrannt ward. Da die Leiber der heiligen drei Könige gen Köln kamen, welche der Erzbischof Reinold II., ein Graf von Dassel, vom Kaiser Friedrich Barbarossa für Köln erbat, da dieser Mailand, allwo diese heiligen Leiber früher aufbewahrt wurden, hatte schleifen lassen, trug ein Kameel die werte Last, und es neigete sich, die Reste der Weisen zu ehren, ein Turm gegen sie und blieb in geneigter Stellung. Das Tor am Rhein, durch das sie gebracht wurden, ward alsbald vermauert, damit es nie wieder entweiht werde. Zahllose Wunder erzählt man von diesen Heiligen, deren drei Kronen die Stadt in ihrem Wappen führt. Einst kam aus Ungarland, wo wegen zu großer anhaltender Dürre merkliche Hungersnot entstanden war, eine Menge Volkes nach Köln und wollte die heiligen drei Könige um Regen anflehen. Kaum war das erste Gebet erklungen, als der Himmel sich trübte und heftiger Regen niederströmte zum Gnadenzeichen, und es hat dann im Ungarlande im Überfluß geregnet. Zum Danke dafür sind aller sieben Jahre Abgesandte aus Ungarn gen Köln gefahren, haben die heiligen drei Könige verehrt und ihre Kapelle und Priester begabt, und der Magistrat hat sie vierzehn Tage gespeist und getränkt und geherbergt.

 

 

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Ludwig Bechstein, Deutsches Sagenbuch, Leipzig 1930

Bild gemeinfrei